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Walt Disney 1901 - 1966


















Fernando Botero




Tom Wolfe












Prof. Dr. Helge Bathelt

Hardy Ecke vor Otto Dix Stastsgalerie Stuttgart

Der folgende Text
ist nicht nur für hartgesottene Kunstinteressierte verfasst worden.
Nicht die Person, sondern die Arbeiten des Künstlers sollten im Vordergrund stehen. Insbesondere dann, wenn die Arbeiten des Künstlers so viel Biographisches offenbaren, wie bei denen von Hardy Ecke.
Seine Arbeiten sind der Schlüssel zum Verständnis seiner Persönlichkeit.
Über die Kunst
Comics und Grafik
Auffällig ist zunächst, daß Ecke sein Bildpersonal in klarem Kontur vorstellt und weiters durch harte Farbkontraste voneinander absetzt. Die Bildräume sind minuziös festgelegt und erinnern an Comics mit denen er aufwuchs, aber auch an die Welt der Gebrauchsgrafik, der Ecke schließlich 1990 entkommen ist.
Kindchenschema
Seine Figuren schaffen ein Menschenbild, das beim Betrachter einen "Kindchenschema-Eindruck" auslöst, das eine leise Angst den Abgebildeten zuordnet und sie auf einer sympathischen Ebene verniedlicht.

In netter Weise sehen seine Figuren alle ein bißchen gleich aus.
Große Augen, wurstige Finger, fallende Schultern: eine Truppe von Kindern in Konfirmandenanzügen, die ihre Rollen im Welttheater übernommen haben. Wichtigkeit und Bedeutung werden weder mit perspektivischen noch kompositorischen Mitteln thematisiert. Das erleichtert es dem Betrachter, sich mit den Abgebildeten auf der gewünschten emotionalen Ebene zu identifizieren.
Proportionen
Hardy Ecke erreicht diese Wirkung mit dem gezielten Einsatz gestalterischer Mittel. Seine Personen umgibt er mit karg ausgestatteten Bildräumen, die die Figur isolieren. Die Lichtregie setzt die Schattenbildungen sparsam ein mit einem zusätzlichen Effekt der Heraushebung und Betonung. In der Durchzeichnung der Figuren zelebriert Ecke genüßlich eine säuglingshaft-wohlgenährte Opulenz. Köpfe und Hände werden vergrößert und so das Motiv des Jugendlichen verstärkt: ein Trick, den bereits Michelangelo bei seinem schlacksigen "David" drauf hatte.
Deutschland 1989
Wohl jeden haben die Ereignisse im Herbst 1989 tief berührt, als die innerdeutsche Grenze geöffnet wurde und die Mauer in Berlin fiel.

Doch um wievieles mehr müssen solche historischen Momente jene erschüttern, deren Wurzeln dort verankert sind. Hardy Ecke ist in Berlin geboren. "Ich hätte mir das nie verziehen, wäre ich nicht dabei gewesen", schreibt er in der Kommentierung zu seinem Bild "11. November - Potsdamer Platz", das die Stimmung an jenen Tagen bleibend dokumentiert.
Drei Männer
Unter den Gemälden von Hardy Ecke ist sicher keines so aufschlußreich für die Beantwortung der Frage nach dem geistigen Ursprung und nach seinen Vorbildern, wie das Gemälde mit dem Titel "Drei Männer am schwarzen Tisch": In einer Atmosphäre der verschwiegen anmutenden Rebellion, in der roten Farbe des Aufstandes, der Kraft und Erneuerung und einer tiefsitzenden Verbrüderung, sitzt Hardy Ecke hier am Tisch mit Walt Disney und Fernando Botero.

Aufmunternd klopft Disney dem 1932 geborenen kolumbianischen Künstler auf die Schulter, der nachdenklich -vielleicht auch schmunzelnd- eine von Eckes Postkarten betrachtet.

Ist Hardy Eckes Arbeit "Drei Männer am schwarzen Tisch" eine Symbiose der beiden großen Vorbilder?

In der Verehrung und Wertschätzung für Disney und Botero entwickelt Ecke jedoch gänzlich eigenständige, unverwechselbare Stil- und Ausdrucksmerkmale. Da ist z.B. die zunehmende Kopflastigkeit der Figuren in Eckes Gemälden, ihre damit einhergehende- oft als Drallheit empfundene- Disproportionierung,- und die gezielte Reduktion auf das Wesentliche. All das erinnert an Boteros Gestalten. Gänzlich anders als Botero hingegen verleiht Ecke seinen Figuren große, ausdrucksstarke Augen, als gehörten sie zu den Comicfiguren aus Disneyland.
Die Augen
Ecke bezeichnet die Augen als das erste und hervorstechendste Kommunikationsmittel. Somit mißt er ihnen in seinen Menschenbildern auch besondere Bedeutung zu.

Eckes Bestreben nach homogener Bildfläche, die Vermeidung von Tiefenperspektive und Hintergrundmalerei, seine Konturierung und oft hart wirkende Kontrastierung zum figürlich Dargestellten,- lehnt sich zudem an graphische Stilelemente an.
Freiheit, die ich meine
1990 fällt Ecke den Entschluß fortan sein Leben ausschließlich der Malerei zu widmen. Dieser Entschluß wird in dem Bild "Freiheit die ich meine" manifestiert. Nach 10 Jahren erfolgreicher Arbeit in der Welt der Gebrauchsgraphik ein Wagnis, ein mutiger Sprung ins Ungewisse. Im Gestus des jubilierenden Luftsprungs und der tanzenden Erleichterung feiert Hardy Ecke den Entschluß zur freiberuflichen Künstlerexistenz
Golfkrieg
Neben solchen farbigen, Fröhlichkeit vermittelnden Bildern fallen jene auf, die in monotoner Farbgebung eher trist wirken und gesteigerten moralischen Anspruch erheben. Und auch in diesen Bildern wirken die Abgebildeten selbst dann noch harmlos, wenn der nähere Bildkontext auf höchts problematische Zusammenhänge verweist: so wie das im Nahosttriptychon der Fall ist.
"Sic transit gloria mundi" - so vergeht die Herrlichkeit der Welt.
Mit an Otto Dix erinnernde, analysierende Schonungslosigkeit weist Ecke auf gesellschaftliche Mißstände. Ecke: "In einer Zeit, in der unsere Kinder in einer sanftmütigen Erziehung aufwachsen und in fast hermetisch abgeschlossenen Kinderwagen durch den Regen geschoben werden, in der Mütter ihre zumeist Einzelkinder wie Porzellanpuppen auf Händen tragen, werden wir mit Bildern von Frauen konfrontiert, die bereit sind, ihre ganze Familie für einen sogenannten "Heiligen Krieg" zu opfern.

Benutzen wir unsere Kinder?   Besitzen wir diese Welt?
Haben wir uns seit dem Mittelalter eigentlich weiterentwickelt?


Einem Folterknecht, wie dem Syrer Hafis Assad wird durch unseren Außenminister ein 100 Millionen DM Scheck überreicht. Ein Diktator, der uns mit unseren eigenen Waffen schon morgen in den nächsten Golfkrieg ziehen lassen kann. Die Toten des Golfkrieges 1991 sind noch nicht einmal kalt, schon wird eine neue Saat gelegt." Hardy Ecke warnt im Schlußsatz seiner Bildbeschreibung:

"Wer Wind sät, wird Sturm ernten."
Chaos - Viel zu viel
In einer Zeit des Pluralismus und der damit oft einhergehenden Verunsicherung und Überforderung des Menschen - gerade auch auf dem Gebiet der Kunst - wirken Hardy Eckes Gemälde eindeutig in ihrer formalen wie künstlerischen Aussage. "Meine Malerei ist aufgeräumt", sagt Ecke.

Im Chaos der Anfordernisse, im Viel-zu-Vielen, das täglich bewältigt werden muß, sind seine Arbeiten Oasen vergleichbar.
Menschen
Ecke, der so gerne zu Walzerklängen arbeitet und auch die Rock-Musik der 70er Jahre in sich aufgesogen hat, ist im Grunde seines Herzens ein zutiefst fröhlicher und humorvoller, lebenszugewandter und lebensbejahender Mensch. Seine Muse im Mieder mit den Madonna-haften C -oder sind es D?! - Körbchen, der verschreckte und leicht schwitzende Bildungsbürger auf dem Opernplatz der Intoleranz, der freundliche wodkatrinkende gute Nachbar aus dem Moskauer Vorort, der computergesteuert-ratlose Pirat und vor allem der freifliegende und der industriellen Verwertung entronnene Hardy Ecke selbst: eine Ansammlung nachvollziehbarer Typen, herausgegriffen aus einem Gesamtalltag, der den Menschen auferlegt ist und in dem sie sich eingerichtet haben: so gut es eben geht.
Mord und Totschlag
Daneben aber werden die rundlichen Finger seiner Figuren auch in Wunden gelegt. Da warten die australischen Aboriginees mit der Frage auf, warum sie für ihr eigenes Land zahlen sollen, da wird die Kumpanei mit Mördern, der Fanatismus und die Geschäftemacherei aufgeschrieben und vorgestellt und als ein "Triptychon der Anklage" unausweichlich gemacht, da wird der "Kleine Mann" mit den Symbolen der Macht konfrontiert und muß mit dem "Teufel" an einem Tisch sitzend erkennen, daß die Übel dieser Welt nicht auszurotten sind. Da spielen zwei Außerirdische das "Menschheitsspiel" via Computer und schaffen es nicht "ihre" Menschenfiguren in einem friedlichen Miteinander zu steuern. Diese rotten sich gegenseitig aus: Game over.

Natürlich ist Ecke mit manchen der genannten Bildbeispielen seinem Ursprungsmetier, der Werbung, treu geblieben. Einfache Formen, klare Farben, überschaubare Formate sind seine Transportmittel für Botschaften.
Don Quichotte
Er bezeichnet sich selbst als Geschichtenerzähler, der letztendlich für eine Welt wirbt, die sich ihrer Handlungen bewußt werden soll, statt sie durch gekonntes Verdrängen zu leugnen.

Grundsätzlich glaubt Ecke daran, aufklärerisch wirksam werden zu können, wenn er bekannte Themen in Zeugnis ablegende Bilder übersetzt, wenn er mit sparsamen Mitteln auf Verständnis zielt.

Kommt im Ergebnis bei seinem Bemühen mehr heraus als eine Don Quichotterie, die sich mit jedem Bild eine Rosinante aufzäumt um auf ihr gegen die Windmühlenflügel der Tatsachen, der Sachzwänge und unausweichlichen Verläufe zu verlieren?
Der aussichtslose Kampf
Die Antwort auf diese Frage hat die Kunstkritik längst entschieden. Die Kunst als Medium der Mahnung ist für tot erklärt.

Kein Grund jedoch für einen wie Botero und einen wie Ecke - diese Verwandtschaft des Geistes und der Form sei hier erwähnt, damit Ecke nicht wie ein Parzival wirkt - kein Grund also, dann wenigstens das Gerippe gesellschaftsverpflichteter Kunst herauszuputzen, mit rosigem Fleisch, tapsigen Fingern und staunenden Augen zu versehen und immer wieder gegen die Windmühlen der Verdrängung antreten zu lassen.

Wer nur die Schlachten schlägt, die sich sicher gewinnen lassen, mag als Manager oder Militär reüssieren: dem Menschen und auch dem Künstler verlangt unsere Zeit mehr ab.

Der aussichtslose Kampf ist erst derjenige, den keiner mehr führt.
Kunstkritik
Schlagen wir ein weiteres Kapitel des pittoresken Erzählstils des Künstlers auf, so gelangen wir in einen durchaus aggressionsbeladenen Raum, in dem er mit seinen gegenstandslosen Kollegen ein humorvolles Scharmützel wagt.

Da ist einmal eine Arbeit, die jenen Kunstkritiker ins Bild bringt, der in seinem Buch "Worte in Farbe" die probate Behauptung aufstellte, daß die Anerkennung von Kunst als Kunst von Kritikern getätigt wird. Die Kunstpäpste seiner Zeit finden sich im Ecke-Bild als drei merkwürdige Berg-Bilder im Hintergrund, was Sinn macht: kennt man ihre Namen: Greenberg, Rosenberg und Steinberg.

Ganz besonders deutlich wird Eckes Auseinandersetzung mit seinen "Drei Strich in drei Sekunden fertig-Kollegen" im Bild "Des Kaisers neue Kleider", wo ein nackter Monarch in Staatspose in eine abstrakte Bild im Bild Szenerie genagelt wird und sich ein verständnisloser van Gogh der Szenerie abwendet.
Literatur
Auch Eckes Umgang mit der zeitgenössischen Literatur ist ein weites Feld: auch wenn es ihm noch um den "Butt" geht, um das Kapitel des dritten Monats und die Geschichte der Margarete Rusch. "Die dicke Gret" reitet in jener heiteren barocken Lebenszugewandheit nackend auf der Sau in die Stadt. Ihrem Vater dem Grobschmied Rusch, über den das Schwert verhängt wurde, sagt sie nach der Henkersmahlzeit: "Nu haste ausjebarmt bald. Nu laß ma ab vonne Ängstlichkait. Din Gret mecht ihnen de Rechnung machen. Die Herrens koch ech miä ab midde Zait." Er könne sich auf ihre Rache verlassen.
Hexen
Daß Eckes sozialkritische Ambition nicht übersehen werden darf: lehrt seine Arbeit unter der lippischen Rose. Das Thema der Hexenverfolgung: nackter Frauenkörper zwischen Peinigungsideologen und Schergen, die in grauteuflischen Tönungen bleiben und damit in vielsagendem Kontrast zur Gequälten stehen.
Die Apeman-Serie
Gesellschaftsdiagnostisch ist auch das "Stilleben mit Negerpüppchen" und gesellschaftsdiagnostisch ist vor allem die "Apeman-Serie". Die Thematik ist ebenso aktuell wie unglaublich. Frankreich zündete und zündet weiterhin unter dem Mururoa-Atoll Atombomben. Ist das ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende, fragt sich Ecke, inspiriert durch prophetische Texte aus der Musikszene vergangener Jahrzehnte die beschwören, was der Mensch der Natur und damit immerhin sich selbst anzutun bereit ist.

Wiedereinmal nichts dazu gelernt und Ecke bringt es im Bild auf den Punkt. Er muß dies nicht mit surrealen Mitteln tun, weil die Wirklichkeit selbst surreale Züge gewonnen hat. Er - der Künstler - als Zoon politikon muß sich hier mit Mitteln seiner Kunst engagieren und seinen Beitrag zur Unübersehbarkeit dieses Stückes "Zeitgeschichte" leisten.
Stilleben
"Stilleben mit Hornisse" und "Maltischchen mit Mandarinen" sind farbstarke Orientierungen am Tatsächlichen und wirken wie retardierende Momente in der so grenzenlosen Fabulierlust des Künstlers, - fordern einmal nicht Kenntnis und Bildung, sondern bekennen sich zur Täterschaft als Maler, als Form- und Farbkünstler.

Ecke provoziert es mit seinem mimetischen Bildern, daß der Betrachter über ihrem Anblick genauso ins Fabulieren gerät: wie der Künstler selbst. Stilistische und maltechnische Fragen löst er selbstverständlich: indem er sie hintanstellt.
Nachsatz
Ein bißchen Parzival und ein bißchen Don Quichotte hält er eisern an einer Kunst fest, die sich als Transportmittel der Aufklärung versteht und Ambition zeigt, die Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Dummheit zu führen. Ob dies gelingt: muß sich Ecke fragen lassen und die Antwort zur Frage kann nur vom Publikum kommen. Die Doppelbödigkeit aber von einer karikaturhaften Linie einerseits und kritischen Gehalten andererseits ist ein immer wieder gern begangenes Feld gewesen. Ecke hat seine eigene Eleganz wie Penetranz damit umzugehen und: sage doch einer, er sei aus Eckes Ausstellungen genauso herausgekommen: wie er hineingegangen sei. Daß im betrachtenden Verweilen etwas passieren kann, dafür hat Ecke mit seinen Arbeiten auf jeden Fall nach bestem Wissen und Gewissen gesorgt!
Die Autoren
Prof. Dr. Helge Bathelt, Michaela Fischer, Hardy Ecke


Helge Bathelt geht 2013 in Pension. Der Sammler und Jäger tritt ab.
Der Volkshochschulleiter posiert gerne vor dem Porträt von Hardy Ecke.